Jan Philipp Zymny: How to Human

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Jan Philipp Zymny: How to Human
Jan Philipp Zymny Foto: Anna-Lisa Konrad

Jan Philipp Zymny kann ja schon seit jeher schlagartig vom schlimmsten Blödeln zu ernsten Themen wechseln, ohne dass seinen Fans schwurbelig wird. In seinem dritteln Soloprogramm „How to Human“ wird der zweifache deutsche Meister im Poetry-Slam aber in seiner Grundhaltung ernst, ohne seiner Neigung zum Absurden, zum völlig Verrückten untreu zu werden. Was bedeutet es, Mensch zu sein? Das dekliniert Zymny in zwei Stunden durch, und dabei gelingt es ihm, die Thematik nie aus den Augen zu verlieren, obwohl Zymny erwiesenermaßen nicht nur der Meister der Rollenprosa ist, sondern auch der Meister der Abschweifung. Apropos Rollenprosa: Gegenwärtig gibt es außer Andy Strauß wohl keinen Comedian oder Poetry-Slammer, der so exzessiv in durchgeknallten Rollen performt wir Zymny. Sie sehen das ähnlich? Gleich hier können Sie für Jan Philipp Zymny abstimmen und in der kulturnews-Bestenliste nach oben wählen.

 

Interview

Jan Philipp Zymny

„How to Human“: Der Comedian Jan Philipp Zymny will alles über den Menschen wissen. Wir wollen alles über Zymny wissen.

kulturnews: Herr Zymny, Sie sind erst 25, haben Physik studiert und Theaterwissenschaften und bereits eine sehr lange Bühnenkarriere hinter sich mit zwei Deutschen Meisterschaftstiteln im Poetry-Slam. Wie ging das alles zusammen?

Jan Philipp Zymny: Das liegt daran, dass mir sehr oft sehr schnell langweilig wird, und dann muss ich was tun. Nach einem ganzen Tag Physikstudium zum Beispiel. Bei mir ist es dann so, dass ich absurde Texte schreibe. Und wenn man aber den ganzen Tag damit verbracht hat, absurde Texte zu schreiben, will man anschließend etwas tun, das wenigstens ein bisschen Sinn ergibt. Dann gehe ich an die Uni und ins Physikstudium. Ich habe eine unbändige Schaffenskraft, die häufig sogar das Unvermögen, zu schaffen, ???, dann mache ich auf einmal Musik, obwohl ich mich nie ernsthaft damit auseinandergesetzt habe.

kulturnews: Aber wie kommen Sie darauf, zu sagen: Och, jetzt studiere ich Physik?

Zymny: Als ich klein war, hatte ich eine CD, auf der Alltagsphänomene physikalisch erklärt wurden. Das hat mich so sehr fasziniert, dass die Faszination bis zum Physikstudium angehalten hat. Auch jetzt schleichen sich noch immer Andeutungen oder irgendwelche physikalische Prinzipien in die Programme ein, gerne aus der Quantenmechanik.

kulturnews: Haben Sie die Quantenmechanik verstanden?

Zymny: (lacht) Ich würde beweisen, dass ich sie nicht verstanden habe, wenn das behaupten würde!

kulturnews: Sie bezeichnen die Realität als langweilig, bevorzugen das Surreale, das Fantastische, und lassen sich von David Lynch und Salvator Dali inspirieren. Sind Sie ein leicht Durchgeknallter mit Bildung?

Zymny: (schweigt kurz) Ja. Ja. Einfach ja!

kulturnews: Kommen Sie aus einem bildungsbürgerlichen Haushalt?

Zymny: Gar nicht mal so sehr. Meine Eltern sind keine Akademiker. Mein Vater ist unfassbar belesen und ein sehr, sehr kluger Mensch, hat aber auch kein Studium abgeschlossen. Er hat so ein paar Semester wild durcheinander studiert. Man kann aber nicht sagen, dass ich einen bildungsbürgerlichen Hintergrund habe.

kulturnews: Das überrascht mich, bei dem Wissen, das Sie auf der Bühne an den Tag legen.

Zymny: Meine Eltern haben sich unfassbar viel Mühe gegeben, mir Bildung mit auf den Weg zu geben und mich vor allem zu fördern, wo immer es auch geht. Dafür bin ich ihnen sehr, sehr dankbar. Aber ich möchte auch behaupten, dass ich mir einen gewissen Teil davon auch selber angeeignet habe.

kulturnews: Sie machen nicht nur Nonsens, Sie zeigen auch Haltung. Es kommt ganz leicht daher, wie Sie vom größten Blödsinn zu einer ernsten Aussage wechseln. Wie machen Sie das?

Zymny: Ich würde gerne behaupten, dass das mit viel Überlegung und Konstruktion zusammenhängt. Aber gerade dieser Spagat ist häufig einfach Inspiration. Dann bin ich plötzlich astral-fremdgesteuert.

Interview: Jürgen Wittner

Jan Philipp Zymny: How to Human
Jan Philipp Zymny Foto: Anna-Lisa Konrad