LITERATUR

Ken Bruen: Kaliber

„Haufenweise Gewalt, Sex und Schwarze.“ Das ist das schlichte Exposé, das sich Detective Sergeant Tom Brant für seinen ersten Roman zurechtgelegt hat. Doch außer dem Titel „Kaliber“ hat er noch kein Wort zu Papier gebracht. Dabei könnte er sich doch so leicht in Schreiblaune koksen und auf Erlebnisse aus seinem eigenen Leben zurückgreifen. Er und seine Kollegen aus dem Polizeirevier in Südost-London sind nämlich durch die Bank gewalttätig, sexbesessen, rücksichtslos und intrigant. Nur auf den eigenen Vorteil bedacht, mobben sie sich gegenseitig, hauen sich die Augen blau und dröhnen sich mit dem Zeugs zu, das sie Drogendealern abgenommen haben. Und wenn sie nebenbei mal auf Drogenhippies, Kinderficker und Mörder treffen, denken sie mehr an ihre eigene Karriere als an Recht und Gesetz.

Doch dann beginnt ein Serienkiller ausgerechnet Bürger mit schlechten Manieren zu ermorden … Ken Bruen hat sichtlich Spaß daran, die Grundmotive von Jim Thompsons Noir-Klassiker „Der Mörder in mir“ und Ed McBains legendärer Serie um das 87. Polizeirevier in einer überdrehten Hommage zu amalgamieren. Wer jetzt Dank der deutschen Erstveröffentlichung im feinen Programm des kleinen Polar-Verlags Blut geleckt hat, kann sich freuen, denn dieses Buch ist Teil einer siebenteiligen Serie.