Der Trafikant
Der TrafikantFoto: Tobis

KINO

Der Trafikant

Jungschauspieler Simon Morzé spielt die Hauptrolle in der Verfilmung von Robert Seethalers Bestseller „Der Trafikant“. Ein Gespräch über Anfänge, Bruno Ganz und rechte Parteien.

Simon, du standest mit neun Jahren schon einmal für „Der Trafikant“-Regisseur Nikolaus Leytner vor der Kamera. Kannst du dich noch erinnern?
Simon Morzé: Ja, sogar sehr gut. Das war mein allererster Filmdreh, und am ersten Tag hab ich mir an einer Schiebetür die Hand verletzt. Das hat total geblutet, ich musste mit einem Verband rumlaufen – aber ich hab trotzdem kein Trauma davongetragen. (lacht)

Ein holpriger Start also. Du warst auch auf keiner Schauspielschule. Wie kamst du zum Beruf?
Morzé: Meine Eltern sind beide Schauspieler. Meine Mutter kam damals zu mir und meinte, da wird noch ein Junge gesucht, und ob ich nicht Lust hätte. Anfangs war ich nicht so heiß drauf, war dann aber doch neugierig und hab das einfach mal gemacht. Das war eine coole Erfahrung. Dann war nächstes Jahr nochmal was und dann übernächstes … Und jetzt bin ich 22, und es ist sich bis jetzt ausgegangen.

Hättest du etwas anderes machen können oder wollen?
Morzé: Ich habe mal überlegt, Psychologie zu studieren. Aber bis jetzt läuft es ja mit dem Film gut bei mir. Wenn’s bergab geht, mach ich das vielleicht doch noch. (lacht)

Bist du eigentlich nervös vor der Kamera?
Morzé: Nervös nicht, aber man ist sich total seiner bewusst, wenn die Kamera läuft, und dann wird man oft unecht. Das versucht man als Schauspieler zu vermeiden. Das ist so ein Kampf, ich glaub, der hört nie auf – egal wie lange man Schauspieler ist. Kamera ist einfach unnatürlich.

Du hattest ja den großen Bruno Ganz an deiner Seite. Was hast du dir von ihm abgeschaut?
Morzé: Was ich mitgenommen habe, ist: mit welcher Tiefenentspannheit er spielt. Er hat so eine Ruhe und gleichzeitig Energie.

„Der Trafikant“ spielt 1937, kurz vor dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland. Auch heute sehen wir ein Erstarken der rechten Parteien, Österreich hat eine rechtsnationale Regierung.
Morzé: Das ist extrem besorgniserregend. Vor allem, weil es wie im Film ja auch ein schleichender Prozess ist. Die Diktatur ist nicht auf einmal da, sondern es kommt Stück für Stück – plötzlich ist es okay, und dann ist es normal. Das ist so ein Schneeballeffekt, und irgendwann verliert man den Überblick. Da kann man leider ziemlich viele Parallelen zu heute ziehen.

Was nimmst du dann persönlich aus so einem Film mit?
Morzé: Ich glaube, dass so ein Film darauf aufmerksam machen kann, dass es gefährlich ist, sein Handeln aufzuschieben und Ereignisse herunterzuspielen. Man sollte die Augen offen halten. Das ist wichtig.

Interview: Marie Malina

Der Trafikant
1937: Der 17-jährige Franz wird von seiner Mutter nach Wien geschickt, um dort in der Trafik von Otto Trsnjek zu arbeiten. Dort verkauft er Tabak und Zeitungen – und lernt dabei Sigmund Freud kennen, der ihm im Austausch für Zigarren Ratschläge für sein Liebesleben erteilt. Denn die selbstbewusste Anezka geht Franz einfach nicht aus dem Kopf. Doch dann lassen die politischen Ereignisse all das in den Hintergrund treten – und Franz muss plötzlich ganz schnell erwachsen werden.

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