Gute Manieren

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Gute Manieren
Gute Manieren Foto: Edition Salzgeber

„Gute Manieren“ beginnt mit einem Vorstellungsgespräch: Die Krankenschwester Clara (Isabél Zuaa) heuert bei der wohlhabenden Ana (Marjorie Estiano) als Haushaltshilfe und Kindermädchen für das noch ungeborene Baby an. In der reservierten Gesprächshaltung offenbart sich das hierarchische Gefälle, und fast scheitert Claras Engagement an mangelnden Referenzen. Was aussieht wie ein Drama über soziale Realitäten in Brasilien, nimmt bald eine ganz andere Wendung: Nicht nur, dass sich zwischen den beiden Frauen eine innige Beziehung entwickelt, bald bemerkt Clara auch, dass mit Ana etwas nicht stimmt – immer um Vollmond herum bekommt sie krampfartige Anfälle, schlafwandelt und entwickelt einen unbändigen Appetit auf Fleisch. Bei der für sie tödlichen Geburt ihres Kindes wird schließlich Gewissheit, was vorher nur Vermutung war: Ana war eine Werwölfin – und auch ihr Neugeborenes wird einmal im Monat zur haarigen Bestie.

Eine handfeste Body-Horror-Sequenz leitet über zum zweiten Teil von „Gute Manieren“, in dem Clara das Kind als ihr eigenes aufzieht. Und auch wenn sich das Regieduo Juliana Rojas und Marco Dutra kenntnisreich aus dem Fundus der Werwolfmythologie bedient, bleibt sein Ansatz ganz und gar eigen, weil die Verwandlung in die Normalität eines Alltags integriert werden muss. „Gute Manieren“ ist ein seltsamer und schöner Film: eine Mutter-Sohn-Geschichte, ein Coming-of-Age-Märchen und Schauermelodram, das auch von seinen Kontrasten lebt, wenn aufreizende Künstlichkeit auf schmucklosen Sozialrealismus trifft. sb

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Gute Manieren
Gute Manieren Foto: Edition Salzgeber