The Man who killed Don Quixote
The Man who killed Don QuixoteFoto: Concorde Filmverleih

FILM

The Man who killed Don Quixote

„And now … after more than 25 years in the making … and unmaking … A Terry Gilliam Film“: So eröffnet eine Texttafel den Film – und ein altes Buch wird geöffnet, wie in einer Märchenverfilmung. Schon dieser Einstieg markiert eine doppelte Bedeutungsebene: Gilliams Fantasyposse ist angelehnt an Motive aus Miguel de Cervantes’ weltliterarischer Ritterroman-Parodie „Don Quixote“, erzählt aber noch eine weitere Legende: seine eigene. Die Entwicklungsgeschichte von „The Man who killed Don Quixote“ geht bis ins Jahr 1989 zurück: Da liest Ex-Monty-Python Gilliam erstmals den Roman und ist direkt Feuer und Flamme, ihn zu verfilmen – womöglich auch deshalb, weil er sich selbst in dem Fantasten Don Quixote sieht. Doch das Projekt steht von vornherein unter keinem guten Stern: Gilliam hat Mühe, einen passenden Hauptdarsteller zu finden, und überwirft sich mit seiner Produktionsfirma, die den Film schließlich von einem anderen Regisseur realisieren lassen will. Einige Jahre später wird auch diese Version auf Eis gelegt. Obwohl Gilliam die verschwendete Zeit beklagt, die er für sein Herzensprojekt aufgewendet hatte, nimmt er es 1998 erneut in Angriff.

Aus „The Man who killed Don Quixote“ ist in der Zwischenzeit eine Zeitreisegeschichte geworden, ein Thema, das bei Gilliam schon in „Time Bandits“ (1981) und „12 Monkeys“ (1995) auftaucht. Weil ihn die Studiovorgaben in Hollywood zu sehr einengen, entscheidet er sich dafür, den Film in Europa zu produzieren. Seinen Don Quixote hat Gilliam gefunden: im französischen Schauspieler Jean Rochefort. Dennoch geht vom ersten Drehtag an alles schief: Die Terminpläne der Schauspieler stimmten nicht überein, tieffliegende Düsenjets aus der nahegelegenen spanischen Militärbasis ruinieren die Tonaufnahmen – und am zweiten Tag wird das Set schließlich von einer Springflut überschwemmt, die große Teile des Equipments zerstört. Drei Tage später nimmt Gilliam die Dreharbeiten noch einmal auf, doch es stellt sich heraus, dass es Rochefort krankheitsbedingt nun unmöglich ist, auf einem Pferd zu reiten – für seine Rolle unerlässlich.

Der Dokumentarfilm „Lost in La Mancha“, der eigentlich als Making-of gedacht war, arbeitete den Katastrophendreh 2002 schon einmal auf: Hier erschien Gilliam selbst als moderner Don Quixote, der Ritter von der traurigen Gestalt, der den aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen verliert – ein Bild, das nun auch symbolhaft am Anfang des fertigen Films steht, der schon durch seine bloße Existenz nichts anderes sein kann als die Entzauberung seines eigenen Mythos. Gilliam weiß das. Deshalb ist „The Man who killed Don Quixote“ nicht das erwartete Opus magnum geworden, sondern eine Metaerzählung: Adam Driver spielt den Werbefilmer Tony, der einst einen Studentenfilm über Don Quixote gedreht hat. Nach Jahren trifft er seinen Hauptdarsteller wieder, einen armen Schuhmacher (Jonathan Pryce), der sich mittlerweile wirklich für Don Quixote hält. Gilliam erkennt sich in beiden Figuren wieder: dem desillusionierten Träumer und dem alten Mann, der sich obsessiv mit seiner Rolle identifiziert. Wenn Cervantes’ Roman unter anderem davon handelt, wie einen das Lesen von Romanen verrückt machen kann, dann ist „The Man who killed Don Quixote“ ein Film darüber, wie einen das Kino verrückt machen kann. Aber immerhin hat Gilliams Wahnsinn nun endlich, endlich ein Happy End. sb

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