FILM

Zuhause ist es am schönsten

Alba (Stefania Sandrelli) und Pietro (Ivano Marescotti) feiern in „Zuhause ist es am schönsten“ Goldene Hochzeit. Dafür reist die gesamte Sippe auf die märchenhafte Insel Ischia im Golf von Neapel. An der Fähre liegt man sich noch in den Armen, und auch an der üppigen Tafel schwelgt die Großfamilie in Anekdoten und Witzen. Doch so schön die Feier auch war, so rasch verdunkeln sich im wahrsten Sinne die Wolken über dem paradiesischen Eiland: Ein Sturm wühlt das Meer, auf, an Abreise nicht zu denken, die Großfamilie muss länger als geplant zusammenhocken – und was für einige Stunden an Konflikten gezähmt und in Zaum gehalten werden konnte, bricht nun aus der Sippe raus wie ein Kistenteufel: Schwiegersohn Diego (Giampaolo Morelli) zum Beispiel muss dringend nach Paris, aber nicht für einen Geschäftstermin, wie er seiner Frau Sara (Sabrina Impacciatore) erzählt, sondern zum Schäferstündchen mit der Langzeitgeliebten. Sein Cousin Riccardo (Gianmarco Tognazzi) weiß davon und setzt Diego unter Druck: Verschaff mir einen Job im Familienrestaurant, ich bin Pleite und habe eine schwangere Frau! Carlo (Pierfrancesco Favino) will es allen recht machen, aber seine eifersüchtige Frau Ginevra (Carolina Crescentini) macht ihm die Hölle heiß, weil er sich ihrer Ansicht nach zu sehr um seine Ex Elettra (Valeria Solarino) und seine pubertierende Tochter kümmert. Und Paolo (Stefano Accorsi), Schriftsteller auf der Flucht vor seine gescheiterten Ehe, verguckt sich erneut in seine Jugendliebe und Cousine Isabella (Elena Cucci), die selber unglücklich verheiratet ist. Und wenn alles nichts hilft, setzt sich Riccardo ans Klavier und schmettert Italo-Schlager, die alle von Herzen mitsingen. Aber der Sturm flaut nicht ab, auch im übertragenen Sinne …

Regisseur Gabriele Muccino, der schon einige Filme in Hollywood gedreht hat (siehe unten), dreht munter an der Eskalationsschraube. In „Zuhause ist es am schönsten“ porträtiert er seine italienischen Landsleute als Menschen, deren Inneres man nur sieht, wenn sie Leidenschaft zeigen, im Guten wie im Schlechten. Dass der Vesuv nicht weit entfernt ist, scheint dabei kein Zufall: Muccinos Figuren können im schönsten Sonnenschein vor sich her schwelen – so lange, bis sie explosiv ausbrechen. Und dann geht es nur noch darum, wer sich vor den umherfliegenden Wortbrocken und dem Wutstrom in Sicherheit bringen kann, der aus den Familienmitgliedern herausströmt wie rotglühende Magma …

„Zuhause ist es am schönsten“ sagt der Film ironisch und arbeitet mit den Mitteln der klassischen, tragikomischen Commedia all’italiana die Lügen und Verfehlungen des Bürgertums auf. Am Ende ist man nach diesem Emotionsgewitter durchaus froh, dass man zum nächsten Familienfest nicht nach Italien muss – sondern nur nach München, Bochum oder auf die Mecklenburgische Seenplatte zum blöden Onkel Wolfgang und zur plapperigen Tante Barbara. vs

Alle Vorstellungen und Spielzeiten in Ihrer Stadt von „Zuhause ist es am schönsten“ gibt es auf daskinoprogramm.de

Wer ist Gabriele Muccino?
Von Italien nach Hollywood: Das schaffen nicht viele Filmemacher. Der 51-jährige Gabriele Muccino, dessen Spezialität auch im Heimatland Familliengeschichten sind, machte 2002 mit „Der letzte Kuss“ die Traumfrabrik auf sich aufmerksam. So sehr, dass Superstar Will Smith Muccino persönlich für die Regie von „Das Streben nach Glück“ (2006) auswählte. Das Melodram war so erfolgreich, dass die beiden ihre Zusammenarbeit fortsetzten und 2008 „Sieben Leben“ drehten. Seitdem wechselt Muccino zwischen italienischen und amerikanischen Filmen hin und her. vs