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Foto: © Bernd Uhlig

THEATER

La Passione: Staatsoper / Deichtorhallen, Hamburg

Der optimale Ort für Theater sind die Hamburger Deichtorhallen nicht, aber: Schon mehrfach fanden Performances und Inszenierungen in diesem Umfeld statt, und jedesmal überzeugte es, auch als Ausbruch aus der Enge der Bühnenkonvention. Wobei Oper noch einmal ein anderer Schnack ist als installative Performance, die per se eine gewisse Kunstnähe mitbringt.

Egal, seit dem Intendanzwechsel vorigen Herbst ist die Hamburgische Staatsoper immer für eine Grenzüberschreitung zu haben und zieht mit Bachs „La Passione“ an die Grenze zur Hafencity. Die 1727 uraufgeführte Matthäuspassion zählt zu den berührendsten Orchesterwerken Bachs, für die Bühne eingerichtet wird sie von Romeo Castellucci, einem der ganz großen Metaphysiker des internationalen Theaters, der Glaube und Religion todernst nimmt. So ernst, dass die Frommen sich regelmäßig von ihm angegriffen fühlen – nicht nur „Inferno“ (2008) und „Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn“ (2012) wurden von wütenden Protesten fundamentalistischer Christen verfolgt, den Ruf des Blasphemikers konnte und wollte Castellucci nie ablegen.

Für „La Passione“ verzichtet der Regisseur allerdings auf das dramatische Spektakel und nähert sich der Installation, die Handlung macht sich an Objekten fest, die jeweils eine innere Erschütterung beim Zuschauer provozieren: „Wenn diese Bilder sich in Beziehung setzen zur essentiellen Tiefe der Bach’schen Komposition, ist der Weg frei zum Hinhören, zum Abwenden des Blickes, zum Innehalten und schließlich zu der Erfahrung, was ,Leiden‘ wirklich heißt.“ Die musikalische Leitung liegt bei Kent Nagano.