Schauspielhaus Hamburg
Foto: Katrin Trautner

THEATER | Hamburg, Schauspielhaus

Lazarus (Schauspielhaus Hamburg)

Im Grunde könnte man das als sichere Bank abtun: „Lazarus“, ein Musical von David Bowie, das der Meister des bühnenwirksam aufgeladenen Kunstpops kurz vor seinem Tod 2016 aus alten und neuen Songs zusammenstellte, inhaltlich an Nicolas Roegs Film „The Man who fell to Earth“ von 1976 angelehnt und seit der Deutschen Erstaufführung vorige Saison in Düsseldorf ein hundertprozentiger Kassenfüller für diverse Staatstheater. Das Schauspielhaus macht es sich freilich nicht gar zu leicht und betraut mit Falk Richter einen Regisseur mit dem Thema, der zwar einen Nähe zur Pop-Ästhetik hat, dem kommerziellen Erfolgsversprechen des Pop aber zutiefst skeptisch gegenüber steht. Auf der Bühne steht darüber hinaus die erste Garde des Schauspielhaus-Ensembles, darunter Yorck Dippe, Gala Othero Winter und Julia Wieninger – das sind Künstler, die sich nicht so einfach ohne ästhetischen Anspruch für ein volles Haus verheizen lassen, und die Begleitband um Alain Coubalian und Bernadette La Hengst steht auch mehr für Kunst als für Mainstream. Außerdem ist Regisseur Richter nicht irgendjemand: Vorige Saison verantwortete er mit der Jelinek-Uraufführung „Am Königsweg“ die jüngste Theatertreffen-Einladung des Schauspielhauses. Womöglich ist „Lazarus“ also weniger eine sichere Bank als vielmehr das kluge Unterlaufen jeglicher Sichere-Bank-Strategien?
HAMBURG, SCHAUSPIELHAUS