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Foto: © Monika Rittershaus

THEATER

Lulu: Staatsoper, Hamburg

Christoph Marthaler ist einer dieser Jetset-Regisseure, die im Grunde überall in Europa inszenieren, als Arbeitsschwerpunkt des heute 65-jährigen Schweizers kristallisiert sich allerdings langsam aber sicher Hamburg heraus. Erst im Dezember zeigte er mit „Die Wehleider“ am Schauspielhaus ein beeindruckendes Spätwerk, und mittlerweile wird er auch an der Staatsoper unter den Regisseuren geführt, und zwar nicht wie bisher nur mit der Basler Übernahme „Isoldes Abendbrot“, sondern mit der Neuinszenierung eines Repertoireklassikers: Alban Bergs „Lulu“.

Die 1937 als Fragment uraufgeführte Oper nach Frank Wedekinds Drama ist auf der musikalischen Ebene verhältnismäßig schwer zugänglich;dass „Lulu“ dennoch immer wieder in den Spielplänen auftaucht, liegt wahrscheinlich an der auch heute noch verstörenden, mehr als einmal die Grenze zur Pornografie überschreitenden Handlung, die Aufstieg und Fall der Titelheldin explizit darstellt. „Ekstatisches Glück, ekstatische Aggression, ekstatisches Sterben“, das verspricht Kolportage, beinhaltet allerdings auch die Möglichkeit einer eindrucksvollen szenischen Bebilderung.

Eindrucksvolle Bilder beherrscht Marthaler, zumal in Zusammenarbeit mit seiner langjährigen, kongenialen Ausstatterin Anna Viebrock. Wobei diese Bilder meist weniger mit Ekstase zu tun haben als mit stiller, melancholischer Langsamkeit.