FILM

Mit dem Herz durch die Wand

Man kennt das ja: Beim Streit mit seinem sturen Partner hat man irgendwann das Gefühl, gegen eine Wand zu reden. Mélanie Bernier und Clovis Cornillac setzen in der orginellen Liebeskomödie „Mit dem Herz durch die Wand“ diese frustige Wahrnehmung in amouröse Wirklichkeit um: Sie sprechen immer nur gegen die Wand zwischen ihren Wohnungen, obwohl sie zusammen sind.

Der misanthropische Erfinder Monsieur (Cornillac, auch Regie) und das frisch eingezogene Mauerblümchen Madame (Bernier) leben in Nachbarapartments. Er ist seit dem Tod seiner Frau vor sieben Jahren gar nicht vor der Tür gewesen und lässt nur seinen Bruder in die Wohnung. Sie geht kaum raus, und wenn, dann zu ihrem Klavierlehrer, einer strafenden Vaterfigur, die ihr die gescheiterte Virtuosenkarriere täglich vorhält. Ohne es zu wollen kommen Madame und Monsieur (ihre Namen erfährt man nie) miteinander in Kontakt – die Wände zwischen ihren Wohnungen sind so dünn, dass sie jedes Geräusch des anderen hören. Da die Apartments in unterschiedlichen Häusern liegen, können die beiden sich aber nicht zur Rede stellen. Nach anfänglichen gegenseitigen Lärmduellen merken sie bald, dass nebenan ein Seelenverwandter lebt. Sie schieben die Betten an die papierenen Wände, trinken gemeinsam einsam Rotwein – und verlieben sich, sind sogar alsbald ein Paar. Doch, so entscheiden Madame und Monsieur, kennenlernen wollen sie sich nicht. So bleibt die Liebe doch viel frischer, finden sie, und zwangsläufige Enttäuschungen optischer und charakterlicher Natur vermeidet man so auch. Das perfekte Glück also. Oder doch nicht?

Der große Vorteil: Der Traummann bzw. die Traumfrau bleibt immer ein wonniger Traum und wird nicht zur Couchpotatoe mit Kochphobie. Der große Nachteil: Immer nur die Tapete zu küssen, ist doch nicht so schön wie weiche Lippen zu schmusen. Daher muss die Intimitätsbarriere am Schluss weichen – oder man muss eben mitten hindurch. Denn die Liebe, sie lohnt sogar das echte Leben. vs