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LITERATUR | Roman

Sarah Kuttner: Kurt

Lena hat sich mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft und zieht von Berlin nach Brandenburg, da Kurt auch einen kleinen Sohn hat, der wochenweise zwischen seiner Mutter und Kurt pendelt. Während Lena noch versucht, sich mit ihrer neuen Rolle als Patchworkmutter anzufreunden, geschieht das Unfassbare: Kurts Sohn stirbt bei einem Sturz vom Klettergerüst. Auch in ihrem neuen Roman behandelt Sarah Kuttner wieder schwierige und schwere Themen, denen man sich nicht unbedingt aussetzen möchte. Doch bei ihr als Autorin weiß man inzwischen, dass man die Konfrontation durchaus wagen kann. „Ich will Konflikte, weil das Leben einfach voller Konflikte ist, die dauernd scheiße weh tun“, sagt Kuttner im kulturnews-Interview. „Man muss keinen Autounfall haben und beide Beine verlieren, sondern es reichen auch schon die kleinen Konflikte: Liebeskummer, ein kompliziertes Verhältnis zu den Eltern oder Kinder, von denen man nicht weiß, wie man sie finden möchte. Mich interessieren normale Alltagsprobleme und der Umgang damit. Das ist tatsächlich so ein bisschen mein Gebiet. Ich mag es, mich auf meine Art mit ganz normalen Alltagsproblemen auseinanderzusetzen: sehr realistisch und ein bisschen hoffnungsvoll – aber eben nicht so sehr, dass es unrealistisch oder zu süß und zu glücklich wird.“

 

 

Vor Jahren hat Sarah Kuttner mal in einer ihrer Sendungen gesagt, sie würde Kinder nicht besonders mögen – was einen unglaublichen Shitstorm ausgelöst hat. Ähnliche Reaktionen rief vor zwei Jahren ein Tweet hervor, in dem sie sich über Prenzlauer-Berg-Müttter beschwert hat, die ihre Kinder zum Pinkeln an Bäume halten, statt ins Café nebenan zu gehen. Und doch geht es Kuttner bei „Kurt“ nicht darum, der fragwürdigen Ideologie der Kritikerinnen zu kontern, indem sie sich in dem Roman sehr einfühlsam mit dem Verhältnis einer Patchworkmutter zum Sohn ihres Partners auseinandersetzt. „Das Buch hat überhaupt nichts damit zu tun. Ich würde auch so wahnsinnig ungern darüber reden, weil es so ungerechtfertigt skandalisiert wurde. Ich habe ja nichts anderes geäußert, als dass ich als Erwachsener mit Kindern nicht so irre viel anfangen kann und selber keine eigenen möchte. Mehr könnte ich dazu jetzt auch nicht sagen. Was das Internet oder entrüstete Frauen und entrüstete Männer dazu gesagt haben, ist im Grunde auch ein bisschen egal, weil das auf etwas obendrauf getürmt wurde, was ich nicht so hoch hätte haben müssen.“

Sarah Kuttner Kurt

S. Fischer, 2019, 240 S., 20 Euro

 

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