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Foto: © Sevastian Bolesch

THEATER

Sasha Waltz’ „Allee der Kosmonauten“

Wie wird man zur bedeutendsten Tanzkünstlerin des Landes, Europas, womöglich der Welt? Sasha Waltz ist längst eine unangefochtene Starchoreografin mit Erfolgen von Paris bis Petersburg, eine Allroundkünstlerin, die mit ihren höchst anspruchsvollen (wenngleich manchmal etwas sehr dekorativen) Arbeiten Kunstorte wie das Neue Museum in Berlin und die Hamburger Elbphilharmonie bespielt, deren Entwurf für ein Wiedervereinigungsdenkmal prämiert wurde (auch wenn das Denkmal bislang nicht gebaut wurde), die ein eigenes Genre namens „choreografische Oper“ erfunden hat und die (wenn auch mit einigem Gegenwind) demnächst die Intendanz des Berliner Staatsballetts übernimmt. Aber wie kam Waltz überhaupt in diese Position?

Mit dem epochalen Stück „Allee der Kosmonauten“, uraufgeführt 1996 in den Berliner Sophiensælen, das all die subversive Sinnlichkeit des prekären Neunzigerjahre-Berlins in eine ureigene Tanzsprache packte, lustig, tragisch, böse, eine künstlerische Wucht, die Waltz im Zuge der eigenen Etablierung nie wieder erreichen sollte. Anlässlich seines 20-Jährigen Jubiläums war „Allee der Kosmonauten“ vergangenes Wochenende noch einmal am Uraufführungsort zu sehen, in Berlin-Mitte, dem Stadtteil, der damals voller Versprechungen war und heute eine Art Großstadtsimulation ist.

Wer die Aufführungsreihe verpasst hat: Vom 28. bis 31. Januar wird das Stück noch viermal im Radialsystem gezeigt.