Tanzplattform Deutschland

Vier junge Menschen vor Waschbetonwand. Sie unterhalten sich, diskutieren, ernsthaft und offen, und dass zwei der vier Gesprächsteilnehmer ein wenig ungewöhnlich gekleidet sind, na gut … Aber Xavier le Rois performative Installation „Temporary Title“ ist kein Geplauder über Lernstoff in der Vorlesungspause, es ist: Tanz. Tanz in dem Sinne, dass Körper sich in ein Verhältnis zum Raum und zur Architektur setzen.

Weswegen „Temporary Title“ zur Tanzplattform Deutschland passt wie Topf auf Deckel: Das größte Choreografie-Arbeitstreffen bringt alle zwei Jahre die Crème der avancierten Tanzszene in wechselnden Städten zusammen, aktuell trifft man sich vom 16. bis 18. 3. im Ruhrgebiet, meist in den unterschiedlichen Kulturorten des Essener Zechengeländes Zollverein.

Zeitgemäß geht es hier grundsätzlich zu, neben Le Roi sind aber auch traditionellere Stücke von Sasha Waltz (Berlin), Claudia Bosse (Wien) und Richard Siegal (München) zu sehen, die in ihrer Heterogenität ein hübsch vielschichtiges Abbild aktueller Tanzästhetiken liefern.

Einzig die Konzentration auf die deutschsprachige Szene sollte langsam mal hinterfragt werden – keine Kunst ist bekanntermaßen so international und so wenig von der Sprache abhängig wie der Tanz.