Teheran Tabu

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Teheran Tabu

Der Sex – das ist das größte Problem der islamischen Republik Iran. Oder genauer: das verlogene und bigotte Verhältnis zum Sex. Ali Soozandeh, 1995 aus seiner Heimat emigrierter Filmanimator, stellt das in seinem Regiedebüt jedenfalls fest, einem schonungslosen, von bitterem Humor durchdrungenen Ensemblestück über die Probleme und Demütigungen, die drei Frauen und ein Mann durch den Sex erleiden.

Paris (Elmira Rafizadeh) muss sich prostituieren, um überhaupt eine Wohnung zu bekommen, Sara (Zar Amir Ebrahimi) ist nach zwei Fehlgeburten erneut schwanger und hat ein Leben als rechtelose Hausfrau vor sich. Donya (Negar Mona Alizadeh) wiederum wird beim Spontansex mit dem Musiker Babak (Arash Marandi) entjungfert, steht aber kurz vor der Ehe mit einem Mann, der auf eine Jungfrau besteht. Verzweifelt versuchen die vier, ihren Dillemmas zu entkommen und sich so auch ein Stück Selbstermächtigung und Freiheit anzueignen.

Soozandeh hat seinen perfekt erzählten, melancholischen Schicksalsfilm nicht im typischen Iran-Double Marokko gedreht. Er ließ im Studio Schauspiele agieren und animierte dann diese und die Hintergründe. Dadurch ist „Teheran Tabu“ eine ganz ungewöhnliche Mischung aus melancholischer Schwere und irrealer Leichtigkeit geworden. Und ein wichtige Einblick in eine Welt, in der sich Taxifahrer während der Fahrt gegen Geld oral befriedigen lassen – um sich dann sittlich empört und wutschnaubend über die eigene „Schlampe von Tochter“ zu ereifern, weil diese Hand in Hand mit einem Mann, der nicht ihr Ehemann ist, die Straße entlanggeht. vs

Die Spielzeiten von „Teheran Tabu“ in Ihrer Stadt gibt es hier.

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