FILM

The First Avenger: Civil War

Comics fangen oft gesellschaftliche Stimmungen und Themen auf und integrieren diese in ihre Superheldenwelten. Vor allem die Figur des in Deutschland als platten Patrioten verschrienen Captain America steht in den Verfilmungen der Marvel-Comics für eine kritische Reflektion von Überwachung, Geheimdienstaktivitäten und Terrorbekämpfung. Der Supersoldat Steve Rogers/Captain America ist so etwas wie das gute demokratische Gewissen der Weltpolizei Amerika, seit die Bush-Administration freiheitliche Werte zusammen mit Terroristen zum Abschuss freigegeben hat.

Schon in „The Return of the First Avenger“ (2014) kämpfte Rogers gegen geheime Pläne, präventiv Millionen von potentiellen Gefährdern auszuschalten, um Milliarden zu retten – doch die Ziele der znynischen Aktion waren eher kritische Geister, keine Terroristen. Und in seinem dritten Filmabenteuer „The First Avenger: Civil War“ wehrt er sich gegen das politische Mandat, unter das die Superheldentruppe Avengers nach zu vielen zivilen Opfern während ihrer Kämpfe gestellt werden soll. Problem: Erfinder Tony Stark/Iron Man, der in „Avengers: Age of Ultron“ aus reiner Hybris eine künstliche Intelligenz auf die Menscheit losließ und dadurch erst für viele Opfer sorgte, ist aus Schuldgefühle dafür. Rogers ist dagegen, weil er gerade nach den Erfahrungen aus „The Return of the First Avenger“ befürchtet, so zum Spielball von undurchsichtigen politischen Agendas zu werden. Daher spalten sich die Avengers in zwei verfeindete Lager, die über kurz oder lang aufeinander losgehen. Denn als auch noch Rogers’ alter Kumpel Bucky Barnes, der von den Sowjets zur ferngesteuerten Killermaschine Winter Soldier umgepolt wurde, vermeintlich einen Anschlag begeht, muss sich der positive Patriot Captain America definitiv für eine Seite entscheiden. Er wählt die der Illegalität …

Nachdrücklich stellt dieser intelligente Blockbuster Fragen nach Verantwortung und der Zulässigkeit von Kriegen im Namen des Guten: Rechtfertigen übermenschliche Fähigkeiten einen übermenschlichen Status? Wird die Freiheit dann nicht zur Narrenfreiheit? Und wie viele tote Unschuldige verträgt der Kampf für die Freiheit, bevor er pervertiert und zur Selbstjustiz wird? Selten hat ein so aufwendiger Film so intensiv zum Nachdenken über Sicherheits- und Geopolitik aufgefordert. (vs)

Die Kritik zu „The First Avenger: Civil War“ gibt es hier.