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Alamode Film

FILM

The Square

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Wenn man einer Bettlerin etwas zu essen kauft, darf sie dann wählerisch sein, oder muss sie aus Dankbarkeit nehmen, was sie kriegt? Mit solchen Fragen konfrontiert uns Ruben Östlund in seiner Satire. Als eine Art soziales Experiment hebt der Schwede das Leben des Kunstkurators Christian (Claes Bang) aus den Angeln – und setzt es schief wieder ein. Christian wird beklaut und greift zur Selbstjustiz per Wurfzettel. Christian lässt die Installation „The Square“ von Social-Media-Hipstern vermarkten, was einen Skandal auslöst. Christian versucht, ein guter Mensch zu sein, scheitert aber am Gefälle zwischen seinen Absichten und seinen Handlungen. Östlund umreißt verschiedene Dilemmas des bürgerlichen Lebens, mal als treffliche Persiflage des Kunstbetriebs, mal als Lehrfilm über unsere Selbstgerechtigkeit, mal als absurde Komödie. Er will uns darauf hinweisen, dass unser Gemeinwesen erodiert – und dafür ist ihm fast jedes Mittel recht. Und das ist auch gut so. vs


Lehrfilm ist eine passende Vokabel für das, was mich an „The Square“ so abstößt, obwohl Östlunds satirische Selbstbespiegelung trotz ihrer Länge von 140 Minuten fast durchweg unterhaltsam ist (aber was heißt das schon?) Der Film ist so neunmalklug wie durchschaubar in seiner Methodik: Östlund entwirft Situationen, die er exemplarisch für einen Sachverhalt verstanden wissen will, und überspitzt sie dann soweit, dass er sie als Strohmann-Argument für seine Gesellschaftsdiagnosen nutzen kann. Zwar macht er dabei auch vor seiner eigenen Filterblase nicht Halt, aber der Duktus bleibt selbstgerecht und didaktisch: Schon mal drüber nachgedacht? Was würden Sie jetzt tun? Persönliche Tiefpunkte: Verhandlungen über die Grenzen der Toleranz, die sicher auch rechts der Mitte beklatscht werden, sowie die genannte Kunstbetriebs-Parodie, die sich mit „Ist das Kunst oder kann das weg?“ zusammenfassen ließe. sb

„The Square“ ist als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.