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Foto: Hans-Jürgen Landes

THEATER

Verbrechen und Strafe: Schauspielhaus, Bochum

Literaturwissenschaftler kriegen sich regelmäßig in die Haare, ob sich Dostojewskis 1866 erschienener Roman „Преступление и наказание“ besser als „Schuld und Sühne“ (die traditionelle Deutung) oder als „Verbrechen und Strafe“ (neuere Ausgaben) übersetzen lässt – ein Problem, das mit der zunehmenden Beliebtheit des Romans im Theater auf die Bühnen ausstrahlt. Karin Henkel etwa wählte vor eineinhalb Jahren am Hamburger Schauspielhaus den traditionellen Titel, Jan Klata in Bochum inszeniert in den Fußstapfen der Übersetzerin und Dostojewski-Neudenkerin Swetlana Geier.

Was sich nicht ändert, ist der Stoff, der mit dem von perfektem Verbrechen und gnadenloser Selbstüberschätzung bessesenen Jurastudenten Raskolnikow eine knallharte Krimifigur mitbringt. Der polnische Regisseur Klata inszenierte schon mehrfach in Bochum, unter anderem einen aufsehenerregenden „Hamlet“. Raskolnikow wird von Jana Schulz gespielt, die die Rolle genderpolitisch gegen den Strich bürsten wird, inhaltlich aber genau den Wahnsinn desjenigen mitbringt, der übersetzt „der Zerrissene“ heißt.