viktor.  ruth amarante
Foto: © Maarten Vanden Abeele

THEATER

Viktor: Kampnagel, Hamburg

Muss man etwas zu Pina Bausch sagen? Nein, natürlich nicht. Die Wuppertaler Choreografin ist unbestritten die bedeutendste Tanzkünstlerin der Republik, stilbildend für die Entwicklung des Tanztheaters als eigenes Genre, bekannt weit über die Grenzen Europas hinaus. Als Bausch 2009 starb, war das ein Schlag für die Kunst als Ganzes, von dem sich die Szene noch lange nicht erholt haben wird.

Bauschs Compagnie besteht weiter, hat eine viel beachtete Ausstellung in Bonn und Berlin realisiert und versucht gleichzeitig, das Erbe der Künstlerin zu bewahren – mit Wiederaufführungen von prägenden Stücken wie „Viktor“ aus dem Jahr 1986, das vom26. bis 29. Januar im Hamburger Kulturzentrum Hamburg zu sehen ist.

Und, ja, natürlich ist es ein schmerzhafter Genuss, solch ein Stück noch einmal zu sehen, zu spüren, was vom Gezeigten heute noch gültig ist, zu sehen, wie sich das Genre weiter entwickelt hat, zu verstehen, was mit dem Tod Bauschs verlorengegangen ist. Und doch wird es auf lange Sicht nicht reichen, die großen, alten Arbeiten in die Gegenwart zu übertragen, das Wuppertaler Tanztheater wird anfangen müssen, neue Stücke zu erarbeiten. Selbst auf die Gefahr hin, dass diese immer mit Arbeiten wie „Viktor“ verglichen werden – und dabei wahrscheinlich nicht allzu gut abschneiden.