FILM

Wild

Einige Jahre war Nicolette Krebitz das It-Girl des deutschen Kinos, nach Filmen wie „Bandits“, einer Krebitz-Hymne von Fettes Brot und Krebitz auf dem Cover eines Albums der britischen New-Wave-Band New Order. Doch Krebitz wollte schon bald mehr, selber Regie führen – und nach einem improvisierten Berlinfilm („Jeans, „2001“) und einem überstilisierten Ehedrama („Das Herz ist ein dunkler Wald“, 2008) legt die 43-Jährige nun ihren dritten Langfilm vor – und damit auch den ganz großen Wurf.

„Wild“ erzählt die Geschichte der farblosen IT-Angestellten Ania (Lilith Stangenberg), die mitten in einem Park in Halle/Saale einen Wolf findet, dann ihre wahre Sexualität und schließlich auch sich selbst. Ania fängt das wilde Tier und sperrt es in ihrer Wohnung ein – mehr und mehr einer Wolfsfrau ähnelnd, wirft sie die Ketten ihres früheren Lebens ab, findet im Animalischen und im eigentlich männlich besetzten Wolf neue, erste Erfüllung.

Krebitz inszeniert das als außerweltliche, rohe, echte Erfahrung, die man so nicht einmal in superteuren Hollywoodfilmen erlebt, denn da sind die wilden Tiere immer animiert (siehe der Bär in „The Revenant“). „Wild“ kommt ohne schwere Symbol- und Metaphernlast aus, ohne viel Gerede, ohne zu viel zu erklären und ohne erhobenen Zeigefinder am Schluss. Der Wolf ist frei. Die Frau ist frei. Was beide nicht brauchen: einen Mann. In dem Sinne ist „Wild“ auch ein feministischer Film, und ein verdammt aufregender dazu. Der deutsche Film des Jahres? Der deutsche Film des Jahres. (vs)

Die Kritik zu „Wild“ gibt es hier.