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LITERATUR | Roman

William Kent Krueger: Für eine kurze Zeit waren wir glücklich

Ein Hauch von John-Steinbeck-Atmosphäre durchzieht William Kent Kruegers Roman – und das ist natürlich ein Kompliment. Männer, die in Hinterzimmern hocken und Hochprozentiges trinken; Halbwüchsige, die sich auf alten Bahngleisen tummeln; hier und da eine emotionsgeladene Schlägerei; über all dem die gleißende Sommersonne: Diese Stimmung einzufangen, ist Kruegers großes Talent. Hinter dem Atmosphärischen versteckt sich die leicht biedere Beinahe-Coming-of-Age-Geschichte des 13-jährigen Frank, in dessen Heimatstadt New Bremen sich 1961 mehrere Todesfälle ereignen, einer davon im engsten Familienkreis. Wie Frank sich zu den Toten und ihren Eigenarten positioniert, wie er seine emotionale Bindung zu ihnen immer wieder auslotet, beschreibt Krueger durchaus ambivalent. Sowieso schlummern unter der Oberfläche von „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ große Themen: Es geht nicht nur um das Erwachsenwerden vor dem Hintergrund einer Familientragödie, sondern auch um Loyalität, Glauben, Selbstzweifel und die Risse in der Biografie jedes einzelnen Menschen. Allerdings wahrt Krueger, bislang als Krimiautor bekannt, eine seltsame Distanz zu seinen Themen und Figuren – und haut, statt Empathie einzufordern, lieber noch ein paar dekorative Adjektive raus. So ist es am Ende fast zumühsam, aus all dem etwas Bleibendes herauszuschälen. jul

 

 

William Kent Krueger Für eine kurze Zeit waren wir glücklich

Piper, 2019, 416 S., 22 Euro

Aus d. Engl. v. Tanja Handels

 

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