Willie Nelson – Ride Me Back Home
Willie Nelson: „Ride Me Back Home“Legacy Recordings

MUSIK | Album | Country

Willie Nelson: Ride me back home

Ach, Herr Nelson. Willie. Du machst es einem nicht leicht. Es ist zumindest hierzulande schwer genug, andere davon zu überzeugen, dass das durchweg uncoole Country-Genre doch toll ist. Und nun veröffentlichst du, einer der größten Namen, eine Platte wie „Ride me back home“. Eine Platte, die mit Hut, Hemd und Pferd nicht nur optisch jedes Klischee bedient. Was ist denn aus den Zeiten geworden, in denen du raue Musik jenseits des Country-Mainstreams gemacht hast?

Ich würde „Ride me back home“ gerne gut finden. Ehrlich, Willie. Die Cowboy-Romantik erinnert sogar ein bisschen an deine Glanzleistungen – „Red headed Stranger“ und „Phases and Stages“ zum Beispiel. Hier und da streust du auch wieder ein bisschen Jazz und Blues wie damals auf „Stardust“ ein. Aber warum ist das alles so glatt produziert, so routiniert eingespielt? Die Cowboy-Narrative, mit denen du damals in den 60ern und 70ern einen Gegenentwurf zum kitschigen Mainstream-Country geboten hast, ist das heute der Ruhestand auf der Ranch? Einfach in Ruhe ein bisschen rumklampfen? Wenn das so ist, sei’s dir gegönnt. Ich weiß ja auch, dass Outlaw-Country jetzt schon 60 Jahre her ist. Aber spätestens seit den 90ern und Johnnies „American Recordings“ blüht der Alt-Country doch prächtig. Willst du da nicht mal wen anrufen? Könnte dir gut tun, mal wieder vor die Tür zu kommen.

Du bist kein schlechter Songwriter. Bist du auch nie gewesen, obwohl ich das hier vielen erstmal erklären muss. Dafür sind deine Texte immer noch zu geschickt, aber mehr eben auch nicht. Vielleicht hast du einfach keine Lust, auf die Jungspunde von heute zu hören? Kann ich verstehen, musst du ja auch nicht. Hast ja schon genug gemacht. Aber wenn du doch mal neugierig wirst, die haben viel Spannendes zu erzählen: Komm, ich schreib dir mal ein paar zusammen. So als Einstieg. Drüben, beim kulturselektor. jl

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