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Foto: © Thomas Aurin

THEATER

Wut: Münchner Kammerspiele

Nicolas Stemann inszenierte an den Kammerspielen zuletzt Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ als fragmentierte Studie über Ausgrenzung – klug, postdramatisch, aber für die Eröffnung der Lilienthal-Intendanz in der Maximilianstraße vielleicht zu komplex. Bei Publikum und Teilen der Kritik jedenfalls fiel die Aufführung durch.

Mit Elfriede Jelineks „Wut“ übernimmt Stemann entsprechend eine sicherere Bank, obwohl es sich hier um eine Uraufführung handelt: Der Regisseur inszeniert schon seit längerem neue Stücke der Nobelpreisträgerin und wurde dafür auch schon mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit den Theatertreffen-Einladungen von „Ulrike Maria Stuart“, „Die Schutzbefohlenen“, „Das Werk“ und „Die Kontrakte des Kaufmanns“ (welches inhaltlich in Verbindung zu Shakespeares „Kaufmann“ steht). Nun also „Wut“, ein für das jüngere Jelinek-Werk typisches Zeitstück, in dem die Autorin der Motivation islamistischer und anderer Terroristen nachspürt.

„Wir sind jene, die im Abgrund nicht mehr nach dem Grund fragen, ja, wir stehen fester als alle nur Überzeugten. Ihr hattet eure Zeit, jetzt ist es unsere“, lässt die Autorin ihre Protagonisten ätzen, auch sie aus der Gesellschaft Ausgeschlossene, deren Antwort auf die Zustände aber nicht wie bei Shakespeare Selbstaufgabe ist, sondern nackte, mitleidslose Gewalt. Die sich am Ende sogar gegen die Dramatik selbst richtet: Die Wut greift schließlich auch den Theatertext an.